Wichtige Überlegungen als Modellbahn-Einsteiger

Fängt man mit der Modellbahn an, würden manche am liebsten sofort starten. Doch wie bei jedem Einstieg eines Projektes ist es weniger ratsam ohne Vorwissen sofort loszurennen.  Äußerst wenige Menschen setzten sich ohne große Vorbereitung in einen Flieger nach Südamerika und machen einen Campingausflug durch den Urwald. Für diejenigen, welche nicht vorhaben sich eine Tropenkrankheit einzufangen oder mit einem Kilo unbrauchbaren Gleismaterial Geld verbrannt zu haben, ist eine Vorbereitung auf solche Unternehmungen sinnvoll. Das kann man machen, muss man aber nicht.

Doch wie soll man dies bewerkstelligen als Modellbahn-Einsteiger? Was sollte man bedenken, bevor man mit dem Modellbau startet und ein Modellbahner wird?

Wie im Artikel „Vier bemerkenswerte Gründe für den Modellbau“ ist die Auswahl für Modellbahner sehr vielfältig. Aus diesem Grund sollten Einsteiger sich über manche Dinge vor dem Kauf des ersten Rollmaterials (also Modellzügen) klar werden.

Mithilfe des großen Wissensschatzes des Internets informiert man sich zunächst über die wichtigsten Aspekte. Ein Fachbuch zu kaufen ist ohne tieferen Bezug nicht sinnvoll. Vor einem Urlaub nach Andalusien liest man sich bekannterweise auch nicht mehrere Bücher über die Politik Spaniens im 19.Jahrhundert durch. Die grobe Richtung lotet man ohne große Kosten und Papierverbrauch aus.

1. Überlegung als Modellbahn-Einsteiger: das verfügbare Raumangebot

Die wohl wichtigste Frage eines zukünftigen Modellbahners ist die, wie viel Raum er für seine zukünftigen Anlagen zur Verfügung hat. Meist ist kein komplettes Zimmer für das Hobby vorhanden, sodass im bestehenden Interior Schlupflöcher und Ausweichmöglichkeiten gefunden werden müssen. Auch wenn im Keller oder Dachboden Platz zur Verfügung steht, kann dieser unter Umständen aufgrund von zu hoher Luftfeuchte oder erhöhter Staubentwicklung nicht verwendet werden. Selbst, wenn Platz gefunden wurde, muss die Lichteinstrahlung bedacht werden. Zu hohe Luftfeuchte lässt sowohl Materialien aus Metallen (wie das Rollmaterial, Gleise, elektrische Bauteile und Geräte) erodieren als auch Anlagenkästen verziehen oder auch Schimmelbildung begünstigen. Eine zu starke Sonneneinstrahlung bleicht Farben und Plastikbauteile werden spröde. Schnell wird der Platzbedarf zum limitierenden Faktor für die Planung des Anlagenprojektes.

Glücklicherweise stellen Modulbauweisen wie T-Traks oder Fremo-Normen hierfür gute Alternativen zur stationären Anlage dar. Der Bau auf genormte Modulkästen ermöglicht das Verstauen in Regalen oder Vitrine und ein leichtes Auf- und Abbauen auf dem Teppich, Tisch oder zum Vereinen zu einer großen Vereinsanlage.

Größenverhältnis eines kleinen Modules des Typs T-Trak

Auch Wandanlagen sind nicht nur eine beeindruckende Wohnungsdekoration, sondern auch eine platzsparende Bauweise. Eine Holzrahmenkonstruktion wird auf einem Regal oder deren Wandbefestigung aufgelegt. So entsteht bestenfalls eine Rundumanlage, welche auch mehrere Umgebungen und Streckenabschnitte abbilden kann. Selbst ohne jeglichen Arbeitsraum in der eigenen Wohnung, muss die Modelleisenbahn nicht vom Abstellgleis in den Karton im Keller umgesiedelt werden. In jeder größeren Stadt sind Modellbahn-Vereine ansässig.

So kann man sowohl sympathische Menschen mit gleichen Interessen kennen lernen, als auch zusammen ein größeres Projekt verwirklichen.

Der Platz determiniert auch in einem großen Maß die Wahl der Spurweite.

Zweite Überlegung als Anfänger: die zu wählende Spurweite

Klarerweise ist der Maßstab im Modellbau nicht ganz unerheblich. So gibt er doch die Größe der realitätsnahen Szenerien vor, die angefertigt werden können. Dazu eine kleine Umrechnung:

Mit der Umrechnung 1:87 (also Spur HO) entspricht einem Meter Modullänge einer realen Strecke von siebenundachtzig Metern. Die selbe Modulgröße sind bei einer Umrechnung von 1:160 (Spur N) schon hundertsechzig Metern und schlussfolglich in Spur Z (1:220) zweihundertzwanzig Meter. Zur Darstellung des Berliner Hauptbahnhofes mit einer Gesamtfläche von vierhundertdreißig auf vierhundertdreißig Metern in HO benötigt man eine Anlagengröße von fast fünf auf fünf Meter. In Spur N sind es knapp die Hälfte des Platzbedarfs. Allein der Bau eines kleinen Bahnhofs (exemplarisch von Tauberbischofsheim mit circa zweihundert auf fünfzig Metern) benötigt einen Raum von zwei auf einem halben Meter in Spur HO.

Der realistische Nachbau einer Stadt mit Bahnhof wird in größeren Maßstäben zur Herausforderung. Klarerweise ist es für den Spaß und auch für das freudige Bestaunen einer schönen Modulanlage nicht notwendig jeden Meter eins zu eins nachzubilden. Die Rechnung sollte dennoch nicht komplett außen vorgelassen werden. Auch andere Motive wie Wälder, Häfen, Gebirgs- und Seelandschaften benötigen eine gewisse Größe, um nicht zu gestaucht zu wirken.

Ein weiterer Aspekt der Spurweite sind die Verfügbarkeit und Produktbreite. Als größter Teilmarkt bietet die Spurweite HO mit einem kleinen Abstand zu N das größte Angebot an Ausrüstungs-, Zubehörteilen und Rollmaterial. Weniger geläufige Spurweiten wie Z und TT bieten aufgrund der Nachfrage geringere Produktpaletten. Hier wird das Eigengeschick des Modellbauers mehr gefragt. Auch die Suche eines Vereines kann dadurch limitiert sein. Heutzutage ist an der Qualität und Maßstabstreue der verschiedenen Produkte kein gravierender Unterschied zu erkennen. Auch Hersteller in Spur Z und N präsentieren filigranes und interessantes Roll- und Zubehörmaterial.

Dritte Überlegung für den Einstieg: die zu investierende Geldsumme

Auch ein kleiner Bahnhof verursacht Fix- und Investitionskosten. Vorüberlegungen sollen helfen genau diesen Posten vorab zu klären und nicht unerwartet zu viel Geld für Unbrauchbares zu verschwenden. Die Preisunterschiede zwischen Herstellern und Spurweite entstehen nicht nur durch Angebot und Nachfrage, Klein- oder Großserie, sondern auch durch Herkunft des Vertrieblers und Erzeugers. So unterscheiden sich die Preise zwischen deutschen Großherstellern zu nicht-europäischen wie zum Beispiel japanischen gravierend.

Wenn man handwerklich geschickt ist und viel Zeit in die Ausgestaltung und den Modulbau setzt, werden Kosten reduziert. Es ist jedem selbst überlassen, ob er oder sie selbst vom Rohmaterial eine Anlage aufzieht oder T-Traks oder anderen Baukästen und Zubehör wie Fertigbausätze für Häuser kauft.

Neben den grundlegenden Anschaffungen fallen klarerweise auch wiederkehrende Kosten auf. Eine Anlage wird zum Erhalt in einem geregelten Abstand gewartet, gegebenfalls repariert und die elektrischen Anlagen wie Beleuchtung von Häusern und Fahrmaterial benötigen Strom. Wie jeder Gegenstand im Gebrauch haben auch Züge und Gleise Verschleiß oder segnen das Zeitige.

Dies alles führt zu einem gewissen Kostenpunkt im Haushaltsbuch, der vorher überlegt werden möchte.

Vierte Überlegung als Modellbahn-Einsteiger: die verfügbare Zeit

Wie im Artikel „Vier bemerkenswerte Gründe für den Modellbau“ erwähnt, ist der Modellbau eine geduldige Angelegenheit. Manche verlieren bei zu langer Baudauer einer großen Anlage allerdings zu einem gewissen Zeitpunkt die Geduld an ihrem Großstadtprojekt. Schlauer ist es, sein Vorhaben an seine Freizeit anzugleichen. Mit dieser Überlegung erzielt man schneller Erfolgserlebnisse und hat lange Zeit Freude mit dem Fahren der kleinen Sensationsfahrten durch schmuckhaft ausgestaltete kurze Strecken. Ein Ausbau ist zu jeder Zeit möglich und erhält das Vergnügen am Hobby wahrscheinlich länger als ein ständiger frustrierter Wiederanfang bei zu groß-gedachten, nicht realisierbaren Anlagen.

Fünfte wichtige Überlegung beim Einstieg in den Modellbau: die Persönlichkeit des Modellbahners

Jeder Mensch und somit auch jeder Modellbahner ist anders. Die Fähigkeiten, als auch die Wünsche und Vorstellungen haben eine bunte Spannweite und Diversität. Auch Interessen sind entscheidend. Wer sich für neueres Rollmaterial und die Ausgestaltung mit vielen Sondereffekten wie Licht- und Tonfunktionen seiner Anlage begeistert, ist in digitalem Modellbahn-Bau angesiedelt. Andererseits gibt es Personen, die sehr viel Wert auf die Ausgestaltung ihrer Anlage legen und ihre Bauten zu realistischen Kunstwerken werden lassen. Wieder andere sind gegensätzlich interessiert. Diese bauen Anlagen nach ihren Wünschen, ohne jegliche Regeln, ohne Beschränkungen auf basierende Örtlichkeiten und Aufenthaltsorten von Zügen, Bauwerken und Landschaften.

Gleisoval mit digitalem Innenkreis und analogen Aussenkreis

Alles hat seine Reize, seine Aufgaben und seine Begrenzungen. Eine digitale Anlage kann von älteren Rollmaterial erst nach Umrüstung erfolgen und benötigt gewisse Fachkenntnisse. Auch die Realitätstreue hat seine Grenze durch Hersteller und den Maßstab.

Schlussfolgerung

Der Anfang in eine neue Beschäftigung löst viel Vorfreude und Tatendrang aus. Doch allzu oft endet dieser überbordernde Elan in unüberlegten Käufen, frühzeitigen Rückschlägen und Frustation. Um sich den Spaß nicht durch Unüberlegtheit zu verderben, ist es für Modellbahn-Einsteiger wichtig nicht blindlings los zu laufen.

Sobald man sich seiner finanziellen Ressourcen und seiner Persönlichkeits und Fähigkeiten bewusst geworden ist, steht dem Modellbau nichts mehr im Wege.

Hast du beim Einstieg Schwierigkeiten oder unüberlegte Handlungen als Modellbahn-Einsteiger getätigt? Welche Tipps hast du für Modellbahner-Einsteiger dieses reizvollen Hobbies? Schreib mir gern in der Kommentarzeile!

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