Das passende Gleissystem für jeden Modellbahner – Teil 1

Als Modellbahner ist es wichtig das geeignete Gleissystem für sich zu finden. Als Laie kann man dem Eindruck erliegen, dass es unerheblich sei, welches Gleissystem der Modelleisenbahner für seine Anlage wählt. Im ersten Moment zählt, dass Strom fließt und das rollende Material seine Fahr- und andere Funktionen betreiben kann. Doch bei genauerer Betrachtung ist die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Gleissystem nahezu wie der eigene Hausbau. Es sollte wohl überlegt und alle Für und Wider abgewogen werden. Denn bei einer späteren Meinungsänderung entstehen Kosten und mehr oder minder große Herausforderungen für das weitere (Modelleisenbahner-) Leben. Nicht selten zwingt es zu einem größerem Umbau oder gleich zum Neuanfang.

So entscheiden die Schienen nicht nur über die Betriebssicherheit und das Fahrgefühl der Züge und anderer fahrbaren Untersätze. Sondern auch die Pflege und Kombinierbarkeit von unterschiedlichen Produkten ist im weiteren Verlauf hiervon betroffen und sollte von Anfang an bedacht werden. Zu einem nicht zu vernachlässigten Aspekt gehört außerdem der allumfängliche Eindruck, der durch mehr oder weniger realistische Gleissystem mitgeprägt wird.

Aus diesen Gründen sollte der Modelleisenbahner nicht kurz entschlossen seinen Bund eingehen. Jedes System hat seine Besonderheiten. So können sie die individuellen Wünsche des Einzelnen widerspiegeln. Um diese zu kennen und für sich das beste System herauszufinden, werden nun die einzelnen Gleisvarianten erläutert.

Die Technik hinter den Gleisarten

 Grundsätzlich wählt der Modellbahner zwischen drei Systemen. Einerseits das Dreischienen-Zweileiter-System, welches umgangssprachlich als „Mittelleiter-Gleissystem“ bezeichnet wird. Das zweite ist ein Zweischienen-Zweileiter-System, auch „Zweileiter-Gleissystem“ genannt. Des Weiteren ist noch ein Dreischienen-Dreileiter-Gleissystem aus den 1950ern bekannt.

Das Dreischienen-Zweileiter-Gleissystem

Wie beide Fachbezeichnungen anzeigen, handelt es sich um zwei verschiedene Arten der Stromübertragung. Bei den „Mittelleiter-Gleisen“ sind beide Schienen gleich gepolt (jeweils Plus-Pol) und der Mittelleiter zwischen den beiden bildet den Gegenpol (also Minus-Pol) und schließt den Stromkreis. Um den Strom aufnehmen zu können, bewegt sich der Schleifer an der Unterseite der Lok über den Mittelleiter. Dadurch wird der Strom, der vom Minus- zum Plus-Pol fließt, von der Mitte der Schiene über den Schleifer zum Lok-Motor geleitet. Der Stromkreis wird durch die Verbindung der Fahrzeugräder mit den positiv-geladenen Schienen geschlossen. Der größte Vorteil dieses Systems besteht in der elektrischen Symmetrie. Ohne großes Fachwissen können Gleisdreiecke oder Kehrschleifen zusammengesteckt werden. Ein Kurzschluss und andere Störfaktoren wie unsaubere Fahrbewegungen oder Brummen sind mit den Dreischienen-Zweileiter-Gleissystemen mit Gleichstrom (von Märklin) weniger zu erwarten. Aus diesem Grund sind diese Gleise gut für Einsteiger geeignet.

Die Zweischienen-Zweileiter-Gleisvariante

Das Zweischienen-Zweileiter-System ist einfachste Physik. Beide Schienen haben unterschiedliche Polung, sodass der Stromkreis bei Berührung der Lokradsätze von einer Schiene (negativ-gepolt) über die Lok zur anderen Schiene (positiv-gepolt) fließt und somit geschlossen wird. Die Fahrt kann beginnen.

Das Dreischienen-Dreileiter-System von Trix

Das dritte System bot zu seiner Einführung einen erheblichen Vorteil gegenüber den anderen beiden Varianten. Bis zur Digitalisierung der Modellbau-Anlagen war es eine schwierige Aufgabe für den Modellbahner und äußerst kostspielig mehrere Züge gleichzeitig und unabhängig voneinander auf der Anlage zu bewegen.

Der Hersteller Trix führte aus diesem Grund in der Mitte des 20. Jahrhunderts das Dreischienen-Dreileiter-Gleissystem ein. Dieses bestand aus drei elektrisch isolierten Schienen. Die Mittelschiene war der Minus-Pol und beide Außenschienen jeweils der entgegengesetzte Plus-Pol. Durch die Isolierung der beiden gleichgepolten Schienen erhielten sie separat Spannung. Das Fahrmaterial benötigte wiederum separat isolierte Radsätze und nahm den Strom über die linke oder rechte Schiene mittels Schienenschleifer auf. So konnten zwei Züge unabhängig betrieben werden, da zwei von einander getrennte Stromkreisläufe bestanden. Bei Verwendung einer stromführenden Oberleitung konnte sogar auf drei Züge maximal aufgestockt werden. Durch den Aufkauf der Firma Trix von Märklin wurde das System eingestellt und nicht mehr produziert. Der Marktvorteil erlosch weitgehend durch die Digitalisierung.

Hersteller für beide Systeme

Die Marktaufteilung beider Gleisarten ist sehr unterschiedlich aufgeteilt. Märklin betreibt als einziger bekannter Hersteller des Drei-Schienen-Dreileiter-System mit Wechselstrom- (besser bekannt unter AC)-Betrieb. Die Produktpalette ist dem entsprechend limitiert und die Preise auf eine Alleinstellung ausgelegt. Kleinere, weniger bekannte Hersteller nutzen zum Teil auch diese Technik. Allerdings nutzen diese hierfür Gleichstrom (auch als DC-System bezeichnet).

Das Zweischienen-Zweileiter-System bietet mit Piko, Roco, Fleischmann, Peco und vielen anderen, auch internationalen Herstellern eine breitere Produktbandbreite in verschiedenen Maßstäben an. Auch ein Selbstbau bei gutem technischem Verständnis, ist mit dieser Variante möglich.

Dementsprechend bietet ein großer Markt eine Auswahl an verschiedensten Profilhöhen der Gleise, Bettungsarten mit diversen Breiten und Anpassungen an die passenden Weichen für das Gleichstromsystem an.

Gleisarten und ihre Vorzüge und Herausforderungen

Da es sich bei den „Mittelleiter“-Gleisen um die Produktserie eines einzigen Herstellers handelt, ist eine gewisse Übereinstimmung in der Gleisserie. Insgesamt sind momentan zwei verschiedene Arten auf dem Markt. Die Monopolstellung von Märklin beim Dreileiter-Dreischienen-System bedingt verständlicherweise, dass die Verwendungen der Gleise nur mit Produkten der selben Firma kompatibel sind. So schließen sich bei der Wahl der folgenden Gleise viele Züge und anderes fahrendes Material aus oder machen einen Umbau dieser nötig.

Gleisarten von Märklin (mit “Mittelleiter-Gleissystem”)

M (Metall)-Gleise

Die älteren M-Gleise werden heutzutage nicht mehr hergestellt, aber kursieren auf Flohmärkten und zwischen Sammler-Liebhabern. Die Metall-Gleise (kurz M-Gleise) wurden, seit ihrer Markteinführung in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, nicht verändert. Sie bestehen aus (rostendem) Stahl und sind für Modellbahner mit Sinn für Antiquitäten und dem Wunsch nach einer Modellbahn-Anlage für alle Sinne. Wer Freude am Geruch von Maschinenöl der Loks und den Klackern beim Fahren über die Schienenstöße hat, fährt mit diesen nostalgischen Bauart gerade richtig. Auch sollte der Modellbahner Spaß am Verlöten der elektrischen Kontakte und der Gleise haben.

Auf eine besonders vorbildgerechte Optik sollte er hier nicht setzten. Die Gleise sind mit ihren relativ engen Radien und Weichen nicht für große Zugreihungen und großen Fuhrpark gedacht. Dadurch und aufgrund der lackierten Blech-Böschungskörper sind sie wenig vorbildgetreu. Andererseits reist man mit ihnen in eine andere Modellbahn-Welt. Eine, die zwar nicht auf Perfektionismus und Realismus getrimmt ist, sondern auf das Ansprechen aller Sinne. Ihr Charme ist bei einer bestimmten Modellbahner-Gruppe sehr beliebt.

C- (Compound =Verbundsstoffe)-Gleise (von Märklin)

Die später folgenden C-Gleise sollten die Metallgleise ersetzen. Sie wurden in den 90er des letzten Jahrhunderts von Märklin eingeführt. Das C steht hierbei für Compound, also ins Deutsche übersetzt Verbundgleise. Sie bestehen aus Kunststoff mit Metallschienen. Sie sollten die Flexibilität und Realitätsnähe für das Gleismaterial von Märklin erhöhen. So wurden die Weichen schmaler und es wurden weitere Radien mit 580 und 644 mm eingeführt. Dank des Kunststoffes gibt es weniger Probleme mit Rostschäden und auch die elektrischen Eigenschaften sind durch die bessere Isolierung gut. Der Ersatz von Metall zu Kunststoffkomponenten macht die Gleise zu einer guten Wahl. Ihr Aufbau ist dank simplem Klicksystem gut zu bewerkstelligen. Auch versierte Fähigkeiten im Löten sind nicht mehr notwendig und beeinflussen nicht mehr die elektrischen Fahreigenschaften im Modellbahn-Betrieb. Des Weiteren neigen die Schienen weniger zum Rostbefall und sind somit deutlich langlebiger.

Mit dieser Gleiswahl erhält der Modellbahner eine vorbildgerechtere Optik mit schlankeren Weichen und Andeutungen von Kunststoffböschungen. Es sind zwei Standardgeraden (172 / 188 mm) und zwei Bögen (360 / 437 mm) auf dem Markt. Diese erlauben auch längere Zugreihungen und das Fahren von vielen verschiedenen Zugvarianten. Doch auch diese Gleisserie hat keine Flexgleise zu bieten. Für einen höheren Preis als die folgende Gleisart, hat man ein schnelles und gutes Gleisbild mit kleineren Einschränkungen ohne größeren Aufwand.

Die K-Gleise (Kunststoff-Gleise) von Märklin

In den 70er Jahren ging diese Variante der Märklingleise auf den Markt. Komplett aus Kunststoff bestehend und ohne Böschungen und Gleisbett richten sich diese an Modellbahner. Dieser kann den kompletten Unterbau und Landschaft rund um die Schienen selbst festlegen und gestalten. Auch die fünf Radien, verschiedene Weichen- und Kreuzungs-Dicken ermöglichen einen vorbildgerechtere Anlage. Neben der eigenen Gestaltungsmöglichkeit sprechen die Langlebigkeit und die Flexgleise , die es nur in dieser Variante gibt, am ehesten für diese Gleisart von Märklin zu wählen. Wer keine Lust auf Selbstbau der Gleisbettungen aus Kork hat, kann selbstverständlich diese auch zu kaufen.

Der blanke Aufbau der elektrischen Teile an den Gleisen bedingt eine leichte Beschädigung bei unvorsichtiger Behandlung. Diese kann beim Verbiegen von Kontakten zu Störungen im Betrieb und auch zu schwer rückzuverfolgenden Kurzschlüssen führen. Im Großen und Ganzen verursacht die Nacktheit der Gleise, dass der Aufbau etwas komplizierter ist. Die Gleise haben wenig Bodenkontakt und müssen gut befestigt werden. Außerdem führen die scharfkantigen Gleise schneller zu Verletzungen, was den Aufbau weniger angenehm gestaltet.

Gleise verschiedener Hersteller (mit “Zweileiter-Gleissystem”)

Alle bekannten Gleishersteller (außer Märklin, wie oben beschrieben) setzten auf Gleichstrom-Systeme. Diese sind international am häufigsten genutzt, sodass auch unterschiedliche Fahrzeugtypen und Gleise variiert werden können.

Ein erster Überblick über die grundlegende Technik

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