Mein Werdegang und Erfahrungen zum Modellbahner

Elektrische Lokomotive mit Expresswagen

Wie mein Hobby begann

Wie jeder junger Mensch möchte man Erlebtes auch gerne mit nach Hause tragen. So war es wohl auch bei mir. Geboren an einer Hauptstrecke mit viel Güter- und Personenverkehr zwischen der Ostsee und Berlin, begeisterten mich die vielen Züge schon von Klein auf. Da ich erst nach dem Dampflokende der Deutschen Reichsbahn geboren wurde, erlebte ich vorwiegend das laute Heulen der „Ludmilla“, die typischen Lüftergeräusche der „Trabbis“ und „Energie-Container“. Auch die schweren Güterzüge, welche nach Schweden fuhren, waren sehr imposant. Ich kann mich noch erinnern, dass wir in der Grimmer und Gützkower Straße am Bahnübergang öfters sehr lange warteten, bis die Züge durchfuhren. Manchmal kam auch sehr langsam ein „Goldbroiler“ vorbei geschlichen, was die Wartezeiten nochmals verlängerte. Die Geräusche aus der Kindheit sind mir heute noch sehr bekannt und wecken Erinnerungen, wenn diese heute wieder zu vernehmen sind. So etwas prägt einen auf langer Sicht

Aufgrund der Tatsache, dass der „Marktkauf“ in Neuenkirchen in den 1990ern eine Modelleisenbahn-Abteilung besaß, wurde das Interesse an einer Miniatureisenbahn immer weiter verstärkt. Sicher stand ich minutenlang an den Regalen, meine Mutter und Großmutter wusste eigentlich immer, wo sie mich finden konnten.

Meine erste Startpackung in Spurweite TT

Zum Ende des letzten Jahrtausends, es muss so um 1997 gewesen sein, schenkten dann meine Eltern mir zum Geburtstag eine Startpackung in der Spurweite TT. Die darin enthaltene Lokomotive war mir völlig unbekannt, da ich ja nur die oben genannten Lokomotiven kannte. Ein „Eisenschwein“, von einem ostdeutschen Unternehmen, war das allererste Modell, welches ich mein Eigen nennen durfte. Die Freude war sehr groß und es wurde recht schnell eine quadratische Holzplatte besorgt. Der örtliche Modellbahnhändler musste dann auch besucht werden, um das Oval mit Abstellgleis etwas auszugestalten.

Die erste Anlage in Spurweite H0

Einige Jahr später besorgte meine Familie, mittlerweile im neuen Haus auf dem Land, für uns Kinder eine bestehende Modelleisenbahnanlage in Spur H0 von Verwandten aus Thüringen. Die lange Fahrt mit dem Transporter war ein Erlebnis. So konnte ich auch Lokomotiven und Triebfahrzeuge erleben, welche ich nie oder unbewusst an meiner Hausstrecke erlebt hatte. Fahrzeuge wie das „U-Boot“ oder „Frau Hundert“ waren sehr ungewohnte Fahrzeuge und die Fantasie wurde anregt. „So etwas wollte ich auch!“ Leider waren diese Modelle auf der H0-Anlage meiner Verwandtschaft nicht vorhanden. Die „Spitzmaus“ war aber die Krönung und somit begann das Interesse, die Bahngesellschaft der Deutschen Reichsbahn der Deutschen Demokratischen Republik zu recherchieren. Dies geling zu Zeiten des „Modems“, welches die Telefonleitung blockierte, wenn jemand telefonieren wollte, mit Einschränkungen.

Die Modelleisenbahn und das Internet

Spezielle Modelleisenbahnforen waren da erst am Entstehen oder noch recht spärlich mit Informationen. Aber das Internet war damals noch „Neuland“. Auch verschoben sich die Interessen in der Zeit vom Modellbau weg zum Computerspiel. In der Zeit, nachdem die H0-Anlage eingemottet wurde, besaß ich in der Spurweite TT eine Handvoll Lokomotiven, wie die „Ludmilla“, „Trabbi“, „Taigatrommel“, und fristeten ihr Dasein in der Vitrine. Mehr oder minder beschäftigte ich mich mit der Modelleisenbahn, da es in meinem Umfeld auch an Mitspieler fehlte.

Die Wende kam dann mit der Anmeldung in einem Spur-TT Modelleisenbahn-Forum. Diverse Tipps und Ideen wurden wie ein Schwamm aufgenommen, Papier und Bleistift waren im Dauereinsatz. Das Interesse wurde mit einem Schlag reaktiviert. Ideen für die eigene Modelleisenbahnanlage im Kinderzimmer wurden geplant und verworfen. Eine Anlage kam bis zum Auszug aus dem Elternhaus nicht zustande. Die Lehrzeit tat ihr übriges, mehr Zeit wurde in Foren „vergeudet“, anstatt was Handfestes aufzubauen. Irgendwann, ca. Mitte der 2000er, bin ich in den örtlichen Modelleisenbahnverein eingetreten, konnte so auch etwas Handwerkliches erlernen und dem Verein bei Ausstellungen tatkräftig unterstützen. Ich hatte viel Spaß in diesem Verein, da auch ehemalige Eisenbahner dort tätig waren und Geschichten aus der „Reichsbahn-Zeit“ erzählten. Am Ende der Ausbildung verließ ich den Verein und machte mich auf in das Unbekannte.

Neue Freundschaften erweitern den Horizont

Viele neue Freunde lernte ich kennen, welche ich vorher nur virtuell kannte, die mir auch heute noch die Treue halten. Durch meinem „Meister“ lernte ich den Modellbau neu kennen. Nicht nur das rollende Material ist wichtig, auch die Ausgestaltung sollte den eigenen Ansprüchen angepasst werden. Er lehrte mich, wie man an Modellautos Spiegel und Scheibenwischer aus Ätzteilen nachrüstete und aus einem unscheinbaren Modell einen Hingucker bastelt. Diese Erfahrung des Lernens war richtungsweisend und beschäftigt mich auch heute noch. Kein Modellauto sollte, auch wenn es nie eine Modellbahnanlage sehen sollte, ohne Rückspiegel ausgestattet sein. Dass erlaubt die Straßenverkehrsordnung nicht. Auch lernte ich damals einen heutigen sehr guten Freund kennen, welcher ein gutes Gespür für realistischen Modellbau hat. Seine Arbeiten begeistern mich heute noch und sind insgeheim der Maßstab, welchen ich irgendwann mal erreichen möchte.

Der letzte Spurwechsel in ein unbekanntes Land

Da der Spurwechsel von TT auf N nach Beendigung der zweiten Lehre 2014 vollzogen wurde, begann der Erfahrungsaustausch mit Modelleisenbahnern, welche sich mit der japanischen Eisenbahn auseinandersetzten. Mein Kenntnisstand war lausig, den Shinkansen der Serie 0 und 700 waren mir aus Animes (jap. Zeichentrickfilme) oder Sendungen wie „Eisenbahn-Romantik“ bekannt. Das Tor in eine unbekannte Welt der Eisenbahn wurde mir eröffnet und Lokomotiv-Spitznamen wie „Degoichi“ oder „Red Bear“ wurden, nach einer gewissen Zeit, fester Bestandteil des neuen Sprachgebrauchs. Dank dieses Umstands, lernte ich auch weitere neue Freunde kennen, mit denen ich ein enges Verhältnis aufbauen konnte. Irgendwann, während der Planungen und Bau der Foren-internen Module, wurde der Ruf nach filigranen, betriebssicheren Oberleitungen und weiterem Zubehör größer. Einiges wäre sicher auch in Japan kaufbar, aber halt nicht alles. Später wurde daraus TrainSetter und aus dem Modellbahner wurde auch Hersteller.

Durch das Modul-Arrangement habe ich einen Ausgleich zwischen Bau einer Anlage und Ausgestaltung des Zubehörs finden können. Eine feste Modellbahnanlage wäre auch sehr schön gewesen, aber diese ist in naher Zukunft nicht geplant. Ideen gibt es zu Genüge, aber der Bau in einem Arrangement macht sehr viel Spaß und den lasse ich euch gerne teilhaben.

Wie ihr seht, ist es ein langer Weg gewesen, bis ich ein Thema gefunden habe, mit dem ich mich bis heute gerne beschäftige.

Ich würde gerne von euch erfahren, wie ihr zu diesem Hobby gekommen seid und welcher Spurweite ihr die Treue geschworen habt? Oder seid ihr sogar mehrgleisig unterwegs? Schreibt mir doch eure Geschichte in die Kommentare.

P.S. Könnt ihr alle Lokomotiv-Spitznamen der passenden Baureihe zuordnen? Wenn ja, schreibt sie mir in die Kommentare!

Viel Spaß und beste Grüße

Ulli Liedtke


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