Was dir Oberleitungsattrappen aus Edelstahl bringen

Mit Oberleitungsdrähten auf einer Modelleisenbahn-Anlage ist es wie mit dem Krawattentragen bei feierlichen Anlässen. Manche finden, dass diese unmissverständlich dazugehören, andere beurteilen den betriebenen Aufwand als zu hoch oder identifizieren sich nicht mit diesen. Selbstredend sind sowohl das Krawattentragen als auch das Verbauen von Oberleitungen eine Geschmacksfrage. An manchen Anlagen, wie für Strecken für Dampflokomotiven, sind Oberleitungen auch technisch nicht notwendig. Andererseits finden viele Modelleisenbahner die Handhabung zu kompliziert und die Drähte zu zerbrechlich oder wartungsintensiv. Für den Verbau sprechen eine realitätsnahe Optik und der Wunsch einer detailgetreuen modernen Anlage.

Sind die Wünsche von einfachem Einbau, wenig Wartung und detaillierter Optik unvereinbar oder gibt es Möglichkeiten durch andere Baustoffe diese zu verbinden? Kann eine Oberleitungs-Attrappe aus rostfreiem Edelstahl dieses Problem lösen und wo liegen ihre Vorteile und ihre Herausforderungen?

Die Oberleitung in der Realität – ein einfach gestricktes Vorbild?

In der Realität handelt es sich bei einer Oberleitung um ein Hänger-Verbindung von Tragseil (obere Leitung) und den Fahrdraht (untere Leitung) mit einem Querschnitt von 100-150mm², wie in Abbildung 1 ersichtlich ist.

Diese Vorrichtung tritt in Kontakt mit dem Stromabnehmer des Zuges, sodass ein elektrischer Stromkreislauf entsteht und die Zugfahrt ermöglicht.

Der größte Antrieb ist folglich optischer Natur, zur Herstellung von hoher Authentizität und Originalität. Die Herausforderung in der Modelleisenbahn-Kunst ist nun dieses Original möglichst detail- und maßstabsgetreu wiederzugeben, ohne sich in der Genauigkeit zu verlieren. Bei korrekter Maßstabsberechnung müsste ein Draht in Spur N 0.075 mm Dicke aufweisen. Für das bloße Auge, auch wenn es einem Scharfschützen gehören würde, hätte schon in gebührendem Abstand Schwierigkeiten die Fahrdrähte zu erkennen. Was bringt also ein Hingucker, wenn alle ihre Lupe in die Hand nehmen müssten, um ihn zu sehen?
Andererseits darf die Oberleitung klarerweise nicht zu offensichtlich aus dem Gesamtbild herausstechen.


Eine Dicke von 0,25 mm Dicke greift sowohl Aspekte der guten Sichtbarkeit als auch der Unaufdringlichkeit an. Durch Schwarz-Färbung der Drähte wird ein solider und schlanker Anblick verursacht, welcher auch erkennbar bleibt. Des Weiteren ermöglicht die Drahtstärke ein deutliches Erkennen der Details wie zum Beispiel das Verhältnis zwischen Hänger, Trägerseil und Fahrdraht. Im Gesamten ist eine etwas größere Ausarbeitung für die Optik ansprechender, als ausschließlich einen dünnen Faden aufzuhängen.
Das untenstehende Bild zeigt sowohl in Nahansicht als auch in der Gesamtdraufsicht, wie die Oberleitung wirkt.

Funktionalität einer Oberleitung im Modellbau – Notwendig oder nicht?

Im Modell ist die Notwendigkeit einen elektrischen Stromkreislauf wie beim Original zu generieren nicht mehr maßgebend. Aufgrund von digitalen Steuersystemen kann ein oder sogar eine Reihe von Modellzügen über die Strecke geschickt werden, ohne einen Einbau von Oberleitungs-Attrappen zu benötigen. Dies inkludiert auch keine Notwendigkeit Kontakt zwischen Stromabnehmer und Fahrdraht zu gewährleisten. Dies kann als häufige Problemursache bei Störungen im Zugbetrieb und möglichen Entgleisungen erachtet werden. Des Weiteren führen sie bei den verkupferten Attrappen zum Teil zu den genannten Dellen und Verformungen.


Um der Realität zu entsprechen kann der Stromabnehmer mit sehr geringem Abstand unter dem Fahrdraht laufen. So ist ein sicherer Betrieb als auch ein ansprechendes Fahrgefühl gewährleistet. Der Aufbau eines elektrischen Stromkreislaufs bedingt außerdem einen dementsprechend dicken Draht. Der Kontakt zwischen Pantografen und Draht muss ein Mindestmaß zeigen, welches der Optik der Anlage einen Abbruch tut. Ein weiterer Grund sich gegen eine Funktionalität bei realitätsnahem Äußeren der Module und anderen Bauarten auszusprechen.

Umwelteinwirkungen auf herkömmliche Oberleitungs-Attrappen

Die Oberleitungsdrähte der großen Modellbau-Hersteller bestehen aus einem von zwei Materialien. Entweder aus verkupfertem Stahl oder aus Gummi. Beide sind recht elastisch, sodass sie als Attrappe für eine, vergleichsweise dünne, Leitung gut geeignet sind. Doch zeigen beide Materialien auch mehr oder minder große Belastungserscheinungen bei äußeren Umwelteinwirkungen.

Gummi hat gute Formstabilität als Oberleitung im Modellbau. Berührungen bei Anlagenwartungen oder Reinigungsvorgängen haben wenig Auswirkungen auf die Oberleitungen. Sie federn in ihren Ausgangszustand und sind durch ihre geringe Drahtstärke gut als Oberleitungs-Attrappe geeignet. Doch haben sie einen großen Haken. Sie zeigen geringere Langlebigkeit als Edelstahl. So kommt es, dass durch UV-Strahlung die Polymerisations-Verbindungen des Kunststoffes aufgebrochen werden und diese den Gummi spröde werden lässt. Dieser Fakt zeigt sich bei allen älteren Anlagen, welche selbst bei geringerer Sonneneinstrahlung mit der Zeit Schäden auf den Kunststoff-Zubehör und auch -Oberleitungen aufweisen.

Anders sieht es mit den Stahl-Attrappen aus. Kupfer zeigt wenig Anfälligkeit für Lichteinstrahlung und auch bei Raumfeuchte ist die Gefahr von Oxidierung gering. Auch diese Oberleitungs-Attrappen sind mit ihren Drahtstärken gut geeignet und realitätsannähernd. Eine bedeutende Einschränkung ist, dass sie bei mechanischer Einwirkung nicht formstabil sind. Wenn der Modelleisenbahner die Oberleitung unabsichtlich berührt, ist diese wenig biegesteif. Es entstehen wenig ansehnliche Verformungen oder sogar Brüche, die der Anlagenoptik nachhaltig schaden.

Rostfreier Edelstahl im Modellbau – in vielen Industriebereichen gut einsetzbar

Welche Vorteile bietet dagegen Edelstahl und kann er die oben genannten Mankos ausbügeln? Was sind seine Einschränkungen?

Allgemein handelt es sich bei Edelstahl um Eisen-Kohlenstoff-Legierungen mit verschiedensten Zusatzstoffbeimischungen. Bei Legierungen handelt es sich um die Herstellung von Verbundsstoffen. Durch dieses Verfahren können vorteilhafte Metalleigenschaften wie hohe Härte oder Festigkeit kombiniert werden. Edelstahl ist grundsätzlich eine Eisen-Kohlenstoff-Legierung, welche mit verschiedenen Metallen weiter legiert werden kann. Durch Legierungen des Edelstahls mit Nickel, Chrom und weiteren Zusatzstoffen in verschiedenen Massenanteilen wird der Werkstoff zu rostfreiem (Edel-)Stahl veredelt. Durch bestimmte Legierungen von Edelstahl entstehen Werkstoffe, welche vielverwendbare Charaktereigenschaften entwickeln. Diese können nicht nur in der Luft- und Raumfahrt große Anwendung finden.


Viele dieser Attribute von Edelstahl sprechen für eine Verwendung als Oberleitungs-Attrappe im Modellbau. Auch bei sehr dünnen Drahtstärken zeigt er eine gute Biegesteifigkeit und ist auch bei vielen äußeren Umwelteinwirkungen wie UV- und Luftfeuchtebedingungen langlebig und formstabil. Ein Manko ist die Nicht-Lötbarkeit der Oberleitung. Es ist gängige Praxis seine Drähte langfristig an die Masten zu löten, um eine stabile Verbindung und ein mögliches Abfallen der Oberleitungs-Attrappen zu gewährleisten. Edelstahl ist nur bedingt lötbar (ein weicher Lötkolben und höhere Temperaturen sind hierfür notwending). Diese Einschränkung kann, zur Gewährleistung der vielen Vorteile gegenüber den anderen Produkten, durch einhängbare Ösen ausgeglichen werden.

Die Passivierung von Edelstahl – Selbstheilung der Oberleitungen im Modellbau

Die Eigenschaften von Edelstahl sind auch zum großen Teil durch die Passivierung bedingt. Da es sich bei dem Werkstoff um eine Verbindung aus mehreren Metallen handelt, weist er Charakterzüge dieser auf. Um die Frage dieser Merkmale klären zu können, muss zunächst die chemische Zusammensetzung von rostfreiem Edelstahl, wie von TrainSetter GbR-Oberleitung, geklärt werden.


Diese Stoffe besitzen erstaunliche Selbstheilungskräfte. Durch Passivierung, also die Entstehung einer unsichtbaren Metall-Oxidschicht an der Oberfläche, wird er von der Atmosphäre und somit vor weiterer Oxidation geschützt. Die Diffusion, also das Durchdringen, von Sauerstoff ist durch die passivierende Schicht nicht mehr ermöglicht. Eine sichtbare Korrosion bleibt aus. Auch bei geringen Oberflächenschädigung tritt dieser Effekt zum Tragen.
Des Weiteren zeigt sich der verwendete V2A-Edelstahl der Oberleitung als biegfähig und berührungsneutral.

Wie an folgendem Video ausdrucksstark zu erkennen, hat eine Zupfbewegung an der Oberleitung ein Wippen und folgend eine Federung in die Ausgangslage zur Folge. Der Edelstahl ist steif, sodass keine Verformungen und Risse in den Stahl-Drähten erfolgen.

Schlussfolgerung des Vergleichs verschiedener Materialien

Selbstredend ist die Frage nach dem Verbau einer Oberleitung auf einer eigenen Anlage eine persönliche Ansichtssache und Entscheidung. Sie sollte allerdings nicht durch begrenzende Aspekte wie geringeren Handlungsspielraum oder höheres Beschädigungspotential der Anlage beeinflusst werden. Gummi und verkupferter Stahl zeigen geeignete Charaktereigenschaften, vor allem bei der Formstabilität oder der Langlebigkeit. Beide schließen sich aber in diesen Punkten gegenseitig aus, sodass bis jetzt zwischen den beiden gewählt werden muss. Dieses Problem kann durch rostfreien Edelstahl umgangen werden. Dieser weist sowohl Stabilität als auch Resistenz gegen äußere Einwirkungen auf.


Klarerweise sind die Empfindlichkeit einer verdrahteten Anlage nicht gänzlich behoben und ein Fahrbetrieb durch die Oberleitungssysteme nicht gewährleistet. Wer seine Module und Anlagen aus optischen Gründen verdrahtet und einen Hingucker für seine Objekte sucht, trifft mit diesen Oberleitungen eine langfristige und ansprechende Wahl.

Meine eigene Meinung ist, dass beim Nachbau der Wirklichkeit auch scheinbar unwichtige Dinge wie ein Oberleitungssystem ein besonderes Gefühl wachrufen. Die Details einer Oberleitungsattrappe rutschen plötzlich in den Vordergrund und lassen ihre Umgebung noch wirklicher aussehen.

Schaut gerne bei unsere Oberleitungsattrappen unter „Link“ vorbei und sagt uns, was ihr von diesen haltet!

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