Viele Ideen für die Modellbahn, aber keine Umsetzung? Das sind die 5 häufigsten Gründe

Dieser Artikel befasst sich um ein Thema, welches wahrscheinlich jeder aus seiner Arbeits- und auch in der Modellbahnwelt kennt: Sie haben viele Ideen für Ihre Modellbahn, aber setzten keine davon um. Auch ich kenne dieses Phänomen aus dem Unternehmeralltag und kann mich gut darin wieder finden. In meinem Fall ging es dabei um Pressemitteilungen, die ich feilte und ausformulierte wie eine Doktorarbeit, nur um am Schluss die Frist zu verpassen und gar keine abzusenden. Das ist für ein Unternehmen fatal, da die Kommunikation der Produkte ja die Grundvoraussetzung ist, um bei potentiellen Kunden das Produkt bekannt zu machen.

Auch in der Modellbahn ist es wichtig, dass der Modellbahner sich irgendwann einen Ruck gibt und das, was er so wunderschön als Bilder im Kopf oder auf dem Gleisplaner erdacht hat, irgendwann auch auf die Platte zu bekommen. Also beschäftigen wir uns heute mit genau dieser Problem-Analyse. Aus welchen Gründen sitzen wir manchmal viel zu lange an einer Idee oder einem Gedanken, ohne auch nur ansatzweise ins Handeln zu kommen.

1. Grund für Prokrastination im Modellbahn-Hobby – Perfektionismus und Versagensängste

Beim oben genannten Beispiel von mir persönlich, lag es genau an diesem Wesenszug. Die Aufgabe die Pressemitteilung perfekt zu verfassen, brachte mich dazu in Versagensängste zu verfallen und immer weiter an jeder Formulierung zu feilen. Tage und Nächte lang dachte ich über jegliche Möglichkeiten nach, wie ich es noch besser machen könnte und wie wohl die Redakteure auf mein Werk reagieren würden. Ich malte mir in schlimmsten Versionen aus, wie ich Rückmeldungen von fremdschämenden und schäumenden Chefredakteuren bekommen würde, wie ich mit so einer schlecht geschriebenen Nichtigkeit die Dreistigkeit besaß ihre Zeit zu stellen.

Als ich dann vielleicht den Mut gefasst hätte, war die Frist vorbei und das Thema hatte sich (fast) erledigt. Aus einem gewissen Trotz schickte ich sie dennoch ein und die schlimmste Variante passierte. Nichts – es kam keine Antwort. Ein paar Wochen später bekam ich sogar genau eine solche E-Mail eines Chefredakteurs, dass er meine Pressemitteilung beschämend fände und was ich mir einbilde. Aber auch ein Redakteur, der mir begeistert schrieb. Er wollte mit uns die Produktserie bekannt machen und einen Wettbewerb in Kooperation mit uns starten. Es war ein großer Erfolg für uns und den NBM!

Langes Rangieren, kurzer Zug: Eine perfekte Anlage oder Szene bringt nichts, wenn sie nur im Kopf des Modellbahners herumgeistert. Fangen Sie am besten erstmal an! Ausfeilen kann man mit Erfahrung und mehr Wissen immer noch.

2. Grund für viele Ideen ohne Umsetzung bei der Modellbahn – fehlende Struktur

Eine weitere Herausforderung beim Modellbahnen kann außerdem die fehlende Struktur bei großen Ideen sein. So neigen vor allem Menschen bei freiem und selbstständigen Handeln, wie es grundsätzlich auch beim Modellbahnen ist, gern dazu aufzuschieben. Bei großen Modellbahn-Zielen kann es schnell passieren, dass man sich in den Kleinigkeiten verliert. Dann wird planlos irgendwas gekauft, oder eine Szene halbgestaltet und für später aufgehoben, weil man momentan keine Muse mehr hat. Oder das Vorgestellte weicht massiv der bebauten Realität ab. Ohne kleine Ergebnisse entsteht in der Folge meist Frust, sodass es zum kompletten Baustopp kommt.

Aus diesem Grund ist es für viele Menschen wichtig einen grundlegenden Plan ihres Vorhabens zu haben. Somit wird genau das eingekauft, was benötigt wird und Stück für Stück nimmt die Modellbahnszene Gestalt an. Die Art und Weise der Struktur ist selbstverständlich für jeden Modellbahner sehr unterschiedlich. Ich zum Beispiel liebe Exceltabellen, Herrn Liedtke treibe ich damit allerdings regelmäßig in den Wahnsinn. Ganz ohne Struktur scheint es allerdings für die meisten Menschen, ob privat oder geschäftlich allerdings nicht zu gehen.

3. Grund für wenig Umsetzung in der Modellbahn – fehlender Selbstwert und wenig Erfolge

Des Weiteren kommt es vor allem auch bei Anfängern zu großen Schwierigkeiten, wenn es um die praktische Umsetzung der Ideen gehen soll. Plötzlich kommen Gedanken auf, dass man das, was man sich vorgestellt hat, niemals aufs Brett bekommen würde. Sätze wie „Ich hab eigentlich zwei linke Hände“ oder „Physik war damals nicht so mein Fach“ kommen auf. Danach wird das Basteln zum Krampf und jeder kleine Misserfolg führt zur Verstärkung dieser Gedanken. Ein kleiner Teufelskreis, der immer weiter seine Runden zieht.

Oft hilft es dann mit kleinen Szenen wie Dioramen anzufangen. Die Fläche ist überschaubar und auch der Stromkreislauf fällt meistens weg. So sammeln Sie neben kleinen Erfolgserlebnissen, auch Fertigkeiten und Wissen an, welches Sie in größeren Projekten gut gebrauchen können (kleine Dioramen oder Tischmodule finden Sie unter https://trainsetter.de/shop/). Eine andere Möglichkeit sind auch Vereine oder andere soziale Vereinigungen, bei denen die Modelleisenbahner zusammen bauen und sich gegenseitig austauschen. So hat es mir geholfen mein erstes Modul mit einem Freund weiter zu gestalten. Er hat mir viele Tipps gegeben, aber vor allem Ermutigungen ausgesprochen, dass mein Perfektionismus Fehl am Platz ist und ich mich entspannen darf. So ist auch als Modellbahner oft der zweite Blick und viel Austausch sehr hilfreich beim Start ins Hobby.

4. Grund für Prokrastination im Modellbau – unpassendes Umfeld

Auch das Umfeld muss passen, um in die Umsetzung von Ideen zu kommen. So ist es einerseits eine Frage der Akzeptanz des Umfelds, aber auch der Platzgestaltung. So kann ein Modellbahner lange Zeit verbringen die perfekte Vereinsanlage zu planen. Bauen wird er sie aufgrund der Wohnverhältnisse und auch der Akzeptanz des Partners oder Partnerin einen riesigen Raum für dieses Ziel hierfür frei zu geben, dennoch nicht. Die Freude für ein Hobby, welches von der Familie nicht positiv aufgenommen wird, ist selbstredend sehr getrübt. Hierdurch wird der Modellbahner sicherlich weniger Ideen realisieren, als er möchte. Es bleibt ein Balanceakt zwischen Tolerieren und Ausleben. In diesen Fällen ist es meist besser sich Gleichgesinnte zu suchen. Das findet sich zum Beispiel durch Interessensgemeinschaften und Vereine wieder. Somit kann man seinen Enthusiasmus in einer positiven Atmosphäre ausleben und zuhause andere Interessen und Gemeinschaften ins Licht rücken.

Auch der bestehende Platz ist eine wichtige Komponente des Umfeldes. So kann großer Frust entstehen, wenn die Spurweite oder Anlagenform nicht an die Gegebenheiten angepasst wird. In Folge kann der Modellbahner in Spur H0 nur wenige „Modellbahn-Meter“ in seinem Hobbyzimmer gestalten und die Ideen sind begrenzt. Durch Wahl kleinerer Nenngrößen oder Ausweichen auf andere Bauformen wie Module oder Dioramen kann sich der Modellbahner mehr Ausgestaltungsmöglichkeiten schaffen, ohne seinen vorhandenen Platzbedarf auszuweiten.

5. Grund für viele Ideen und wenig Umsetzung – Überforderung

Ablenkung durch Smartphones, große Projekte ohne klare Vorgaben. Allgemein wird man recht schnell überfordert, wenn es keine klare Strukturen im Bau einer Modellbahn gibt. Regelmäßig schaut man im WWW nach, holt sich durch Fragestellungen Tipps und Tricks und scheut dann doch die Ausführung, nur weil man mit den vielen Informationen überfordert wird. Der Bau eines großen Projektes, als klassisches Beispiel wäre hier die raumfüllende Anlage mit der typischen „Wollmichsau“ eines Großbahnhofs mit Bahnbetriebswerks und Nebenbahn. Dies kann selbst für erfahrene Modelleisenbahner zu viel sein. Trotz festem Ziel, vergisst aber den Aufwand und die Zeit der Unterkonstruktion über den Gleisbau und der Modelllandschaft, hier besonders die Vegetation.

Da jedem Menschen die Lebenszeit wichtig und begrenzt ist, stürzt man sich in Projekte, die selten fertig werden. Die ewige „Gleiswüste“ ist meist ein Zeichen einer Überforderung. Oft ist es ratsamer sich mit kleinen, flexiblen Projekten oder Teilen einer Anlage zu beschäftigen. Herr Liedtke kann darüber auch ein Wort erzählen, da er min. 5 Projekte in der jüngeren Vergangenheit begonnen und verworfen hat. Klassische Überforderung mit dem Handwerk und Umsetzung seiner Ideen.

So kommt viel schneller ein Gefühl von Vorankommen an und die großen Träume werden in Teiletappen gemeistert. Selbst wenn sich dann die Träume und Vorstellungen mit der Zeit ändern, kann ohne großen Druck umgebaut oder erweitert werden.

Prokrastination im Modellbau – Aus diesen Gründen wird’s nichts mit der Anlage

Wie Sie sehen, gibt es vielzählige Gründe, warum die eigene Anlage Baustopps erleben kann. Einerseits liegt es zum Teil an dem Anspruch perfekt bauen zu müssen, sodass ein innerer Druck und Angst vor Versagen sich immer mehr aufbaut. Auch ein mangelnder Selbstwert spielt mit rein und beide Probleme schaukeln sich mitunter gegenseitig auf, bis ein Baustopp unausweichlich ist. Andererseits kann auch bei großem Elan der Anlagenbau stagnieren. So zum Beispiel, wenn ohne Vorplanung oder jegliche konkrete Idee losgelegt wird. In diesem Fall wird dann unkontrolliert gekauft und am Schluss ist doch nichts passendes für die Anlage dabei.

Folgend ist eine Mischung zwischen Struktur, Kreativität und Berücksichtigung der eigenen Möglichkeiten die beste Voraussetzung für eine bebaute und abwechslungsreiche Anlage. Aus diesem Grund ist es ratsam, zunächst als Einsteiger oder bei wenig Zeit- oder Platzkapazität einen anderen Weg zu gehen, wie den, welchen man schon immer gegangen ist. Oft sind kleine Teilprojekte oder Anlagen in kleinen Schritten zu bauen am erfolgreichsten und bringen am meisten Freude. Durch Lernen und Verbessern entwickelt man Fähigkeiten, die man auf einer 2. Anlage anwenden kann. Das Stärkt den Ehrgeiz und die Planungssicherheit.

Was hält Sie vom Bau ab und was tun Sie dagegen? Schreiben Sie es mir gern in die Kommentare!

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