Fünf große Fehler beim Modellbahnen

von Ulli Liedtke

Wer kennt es nicht. Viele Fragen in Foren und Freundeskreis kommen aus mangelnder Planung und Ausführung beim Bau einer Modellbahnanlage. Mal kommt man nicht in die letzte Ecke der Anlage, um den entgleisten Zug zu bergen, oder der „BigBoy“ kommt einfach nicht um die Kurven. Wir zeigen euch 5 Fehler, die auch wir schon gemacht haben, und deren Lösungsansätze.

1. Fehler: Zu viel Platz auf der Anlage

Wer einmal die Chance hatte eine große Anlage in einem Zimmer zu bauen, bekam sofort große Augen beim Planen im Kopf. Hier der große Bahnhof, das mehrständige Bahnbetriebswerk dort, oder die Paradestrecke mit Brückenbauwerk für den ICE da. Hörte sich auf dem ersten Blick super an. Die typische Achterbahn drohte dann beim Spinnen im Kopf. Aber wenn dann das Material eingekauft hatte und man feststellen musste, dass der 14-teilige ICE nicht in den Bahnhof passt, dann schob man Frust und baute ein zweites Mal neu, bevor die erste Anlage überhaupt fertig wurde.

Am Anfang sollte man sich im Klaren sein, wie lang der längste Zug sein wird, den man einsetzen möchte. Daraus erfolgte die Planung für Bahnhof und Abstellung im „Schattenbahnhof“. Oft kam es in diesem Teil zu einem Kompromiss, dass der längste Zug nur ab und zu seine Runden drehen durfte, wenn der Bahnhof ohne Halt durchfahren wurde.

2. Fehler: Kleinste Radien für mehr Gleisfläche verbauen

Beim Planen von Gleisplänen kam es oft vor, dass eine gewünschte Szene oder Gleisfigur nicht so recht passen wollte. Also plante man kleine Radien für die Anbindung der Gleisfigur ein und vergas, dass selbst modernere Modelle, nichtdeutscher Hersteller, nicht mehr um diese Kurven kamen. Die Enttäuschung, wenn der „BigBoy“ oder „ICE4“ es nicht durch den Kurvenradius schafften und dementsprechend entgleisten oder verunfallten, war sofort präsent.

Ältere Fahrzeuge können noch die kleineren Radien durchfahren. Aber sobald man internationale Hersteller einsetzt, sollte man sich auf größere Radien in den Gleisfiguren eingestellt haben. Bauen mit den „Straßenbahn“-Radien unter 280mm sollte vermieden werden, nicht nur aus optischen Gründen, auch wenn der raffinierteste Gleisplan dadurch verschlankt werden musste. Ihre Fahrzeuge, Geldbörse und Nerven werden es Ihnen zum Ende danken. Und wer möchte schon seinen „ICE4“, „TGV“ oder „Shinkansen“ durch solche engen Radien schicken wollen?

3. Fehler: Fertiggelände von der Stange

Ein Fertiggelände kann für manche der Einstieg in die Modellbahnwelt bedeuten. Man spart Zeit, Geld und kommt recht schnell zu einer fahrbaren Modellbahn. Was ich aber selbst aus der Kindheit erlebt habe, ist die Tatsache, dass mehr wie eine Lok und 2 Wagen nicht auf einem Oval, und schon gar nicht in den Bahnhof, passen wollten. Mit einem Kindheitsfreund der 90er Jahre im Nachbarblock, durfte ich den Bau und Abriss erleben. Es wurde für uns 2 Freunden sehr schnell langweilig mit der Bahn, so dass wir zügig wieder draußen auf dem Hinterhof zum Fußballspielen waren.

Die Fertiggelände haben ihre Vor- und Nachteile. Aber dauerhaft glücklicher wird man mit dem Bau einer eigenen Anlage nach eigenen Ideen und Vorstellungen. Das Geld für das Fertiggelände kann man auch für den Unterbau seine Anlage investieren und darauf hin noch das Arbeiten mit Holz erlernen. Auch sind die nachfolgenden Schritte des Gleisbaus, Geländegestaltung und Ausgestaltung Sachen, die man gerne erlernen wird. Man wird beim Bau mit jedem bisschen besser!

4. Das Thema, dass 98% aller Modellbahner wählen…

Wissen Sie, welches Anlagenthema am häufigsten auserkoren wurde? Nein? Es ist das allseits beliebte Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn. Dieses Thema ist in vielen Printmedien, Foren oder Social Media-Accounts aufzufinden und vehemend verteidigt. Natürlich hat dieses Thema seinen Reiz, frisst aber selbst bei optimaler Planung noch genug Platz, Zeit und Geld. Hauptsache, man hat seinen großen Bahnhof, das Bahnbetriebswerk und einen Endbahnhof für die Nebenbahn, im schlechtesten Fall noch mit einer Lokstation verbunden. Oft sieht es dann bei gedrungenen Verhältnissen nicht optimal aus, hat massive Steigungen und die Region, die es abbilden sollte, ist nicht erkennbar.

Angedeutete Bahnhofshallen mit Spiegeltrick, kleine Betriebssituationen oder Nebenbahnstationen mit einem Abstellbahnhof am anderen Anlagenende könnten deutlich mehr Interesse bei Ihnen wecken, als sie vorher dachten. Denn „weniger ist mehr“ ist nicht um sonst eine der bekanntesten Devisen. Es bringt Ihnen die größte Anlage nichts, wenn man Sie sich nur auf maximal zwei Zügen gleichzeitig konzentrieren könnten. Also schauen Sie sich außerhalb der oben genannten Bezüge nach Betriebssituationen um, die Ihre Sammlung am besten zu Geltung bringen. Ich selbst baue seit einiger Zeit an einer modularen Anlage, die mit Freunden kombiniert werden kann. Hier starten wir an einem Endbahnhof, der nach wenigen Metern in den Fiddle Yard übergehen wird. Wenige Gleise, mechanisch gestellte Weichen und übersichtlicher Güterverkehr haben einen Reiz, den man nicht überall auf der Modellbahn antreffen wird. Man tobt sich dann mit den Modellen anderweitig aus, wie z.B. Kitbashing, Superungen oder Alterungen.

5. Fehler: Nie Anfangen mit dem Bau einer Anlage

Ich gehörte bis vor wenigen Jahren zu dem Typus „Schachtelbahner“. Mein Hobby bestand vorwiegend aus dem Kauf von Zuggarnituren, welche nur gelegentlich auf einem Küchentisch-Oval ein paar Runden drehen durften. Daraus resultierend füllten sich selbstverständlich die Schränke mit Modellen und irgendwann begann ich mit dem Bau eines Moduls mit Freunden. Die Ausgestaltung des einzelnen Moduls hat sich auch über mehrere Jahre gezogen, da ich immer wieder an mir selbst zweifelte und kein Thema auf dem Modul zu Stande brachte. Erst mit der Hilfe meiner Freunde gelang es nach 6 Jahren diese Kapitel „Modul“ abzuschließen. Und heute ist es ein Hingucker im Modularrangement und nicht mehr wegzudenken, da es ein wunderbares Fotomotiv mit japanischen Monstern wurde.

Ich gehe mittlerweile dem Weg wie es James Hilton (Wales) sagte: If you don´t start now, will you ever?“. Planen Sie nicht ewig, machen Sie sich ernsthafte Gedanken und setzen Sie sich an kleinere Bauprojekte. Sie werden schnell sehen, dass es kein Hexenwerk ist eine kleine funktionsfähige Anlage zu bauen. Ihr müsst nicht das Hamburger Miniaturwunderland bauen, aber ihr könnt euer „Wunderland“ bauen, natürlich auch nur wenn ihr endlich damit anfangt. Nichts ist deprimierender, wenn ihr eure Züge nur stehen seht und nie in den Genuss kommt, diese in Bewegung zu genießen. Mittlerweile habe auch ich neue Projekte, wie das Diorama, welches fast wöchentlich zu sehen ist, im Bau. Nebenher sind neue Module mit Freunden und Sohnemann im Bau, so dass eigentlich zeitgleich 3 Projekte geführt werden. Nach Lust und Laune kann ich mich dann entscheiden, mit was ich weitermachen will. Aber Vorsicht… Stichwort Sperrholzwüste….

Fünf bekannte Fehler – Schlusswort

Wenn man die Punkte, wie Platzbedarf, Gleisgeometrie und den Bauanfang in einer Tüte zusammenbringt, kann man sich sicher sein, dass die Fehler bei bester Planung nicht auftreten werden.

Sollten Sie aber noch unsicher sein, ob ihre Idee Anspruch bzw. Anklang finden sollte, sollten Sie bedenken, dass es noch immer Ihre Anlage sein wird. Es muss schlussendlich Ihnen gefallen.

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