Die Größe ist entscheidend – Die Nenngröße im Modellbau

Die richtige Nenngröße für Eisenbahner im Modellbau zu finden, ist wie den richtigen Wagen auszuwählen. Der eine passt nicht zu den derzeitigen Gegebenheiten, der andere gefällt einem von der Ausstattung nicht. Auch die schier unübersichtliche Auswahl an Baureihen und Firmen lässt manchen ratlos zurück. Noch viel katastrophaler kann dies bei den Nenngrößen im Modelleisenbahn-Bereich sein. Es gibt sowohl mindestens fünf bekannte Baugrößen. Des Weiteren unterscheidet der Modelleisenbahner zwischen Schmalspur-, Meterspur und Normalspur. Um hierbei die beste Entscheidung nach seinen eigenen Wünschen treffen zu können, benötigt man ein fundiertes Grundwissen.

Welche Maßstabs-Größen gibt es also und was sind ihre Vorzüge und ihre eigenen Herausforderungen?

Die Anfänge der Nenngrößen

Ende des 19. Jahrhunderts präsentierte ein Hersteller von Puppenküchen, Kreiseln und Schiffsmodellen die erste Spielzeugeisenbahn. Zehn Jahre später hatte diese Firma, Märklin, eine Normung, die Nenngröße 1 (1:32) im Modellbau etabliert. Erstmals war es möglich Einzelteile und Zubehör verschiedener Fabrikate miteinander zu verbinden.

Ab diesem Zeitpunkt nahm die Normung von Modelleisenbahnen rasant Fahrt auf. Nur vier Jahre später, 1895, weckte die Spur 0 das breite Publikumsinteresse. Sie war nur ein Drittel der Vorgänger-Nenngröße. Mit der halb so großen „Spur H0“ (umgangsprachlich als Spurweite bezeichnet) verzeichneten die beiden Baugrößen ab Mitte der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts die größten Marktanteile in Deutschland. Die „Spur 1“ hatte aufgrund ihres Platzbedarfs und vergleichsweise hohen Preise bis ca. 1939 ausgedient und wurde zeitweilen eingestellt.

Die Nenngrößen im Modellbau- ein genormter Modellmaßstab

Was genau bezeichnet nun eine Nenngröße im Modellbau und was hat es mit den Zahlen auf sich? Eine Nenngröße, oder auch Baugröße, gibt den Maßstab zwischen Vorbild und Modell an. So bedeutet es, dass nicht nur die Modelleisenbahnen, sondern auch alle weiteren Zubehörteile wie Oberleitungen etc. alle im Maßstab z.B. 1:160 (N) zu ihren Pendants der Realität stehen. Zu den Anfängen herrschte so viel Einigkeit über die Bauweise von Modellzügen, Gleisen und anderen Bauteilen wie in einer Großfamilie bei der Entscheidung des nächsten Ausflugziels. Da dies ein großes Problem darstellte, orientierte sich die Industrie an ihre Kunden und normte ihre Modelle. Festgehalten und für jeden nachlesbar wurden diese Normungen in den „Normen Europäischer Modellbahnen“ (NEM), im „British Railway Modelling Standards Burea“ (BRMSB) und dem „National Model Railroad Association“ (NMRA). So können heute Modelleisenbahner fast ausschließlich alle Modelle in ihrer jeweiligen „Spur“ auf verschiedenen Gleissystemen führen und ihren Spaß daran haben.

Neben den Nenngrößen muss außerdem die Spurweite beachtet werden. Diese beschreibt den Abstand zwischen zwei Gleissträngen. Wie in der Realität auch, gibt es eine Normalspur (für schweren Güter- und Personenverkehr z.B. ICE), Schmalspur (für Feldbahnen und Gebirgsstrecken) und Meterspur (Güter- und Personenverkehr in alpinen Regionen). Diese sind durch ein kleines „e“ für Schmalspur unter 1000 mm, „f“ für Feldbahn-Schmalspur und „m“ für Meterspur gekennzeichnet. Weil die Normalspur der Norm entspricht, wird diese nicht gekennzeichnet.

Die „Spur H0“ – ein großes Sortiment

Mit nahezu siebzig Prozent Marktanteil im Modellbau-Markt ist diese die verbreiteste Nenngröße in Deutschland. Auch die meisten und größten Anlagen sind in diesem Maßstab gebaut. Eines der imposantesten Exponate dessen steht in der Hamburger Speicherstadt. Es zeigt eindrucksvoll die Möglichkeiten, die dieser Maßstab zu bieten hat. Vom Lichtermeer einer Konzertbühne bis zu selbstfahrenden Fahrzeugen mit Hilfe von Car System sind dem Aufbau einer interessanten Anlage wenig Grenzen gesetzt. Aufgrund des großen Marktes tummeln sich viele Groß- und Kleinserienhersteller und bieten dank Angebot und Nachfrage ein breitgefächertes Sortiment.

Der größte Vor- aber auch gleichzeitig Herausforderung dieser Baugröße ist sein vergleichsweise großer Maßstab. Die Modelle und Zubehörteile sind robust und können mit sehr guter Detailliertheit gefertigt werden. Auch technisch ist viel möglich. Da die Größe eine Elektrifizierung bewerkstelligen lässt, können Funktionen wie Blinken als auch Motorbewegungen in die Modelle und Zubehörteile integriert werden.

H0-Anlage von Partick Nagel

Bevor mit dem Start in H0 begonnen werden kann, gibt es für Modellbahn-Anfänger ein kleines Hindernis. Der Gleismarkt ist in zwei entgegengesetzte Gleissysteme eingeteilt. Gleise mit „Zweileiter-Gleichstrom“ und „Mittelleiter-Wechselstrom“ können nicht auf einer Anlage variiert werden. Auch der Zugverkehr muss auf das passende System eingestellt sein. Bei Missachtung dieser Gegebenheit kann ein Kurzschluss erhebliche Schäden an den Fahrzeugen verursachen.

Die Abmessungen bedeuten gleichzeitig einen großen Platzbedarf für die häusliche Anlage. Wie im Artikel „Platzmangel – eine Herausforderung für den Modellbahner“ dargestellt, sind die Spurweiten einer der wichtigsten limitierenden Faktoren für den Bau einer Heimanlage. Eine gut ausgestaltete Szenerie benötigt in dieser Größe um die drei bis vier Quadratmeter Raum.

Baugröße N (1:160) – ein guter Kompromiss im Modellbau

Die Nenngröße N wurde in den 60er Jahren von der Firma Arnold eingeführt und zwei Jahre später international genormt. Mit dem Maßstab 1:160 ist sie nahezu halb so groß wie H0 mit 1:87. Daher erschließen sich andere Vorzüge und Bedingungen für den Modelleisenbahner.

Mit einem Marktanteil von circa zwanzig Prozent ist sie die zweitbekannteste Nenngröße im europäischem Raum. Es bieten mehrere Groß- und Kleinserienhersteller rollendes Material, Fahrzeugen und Gebäuden an. Trotz der geringeren Nachfrage stehen diese dem H0-Markt immer weniger nach und auch im Detailreichtum erweitert sich dieses Feld stetig.

Obwohl die Modelle deutlich kleiner sind, lässt sich auch hier technisch viel spielen. Die Beleuchtung und Sound-Einstellung, sogar Car System wie in H0, stellen keine Probleme dar. Bemerkenswerterweise ist die Detailliertheit oft nicht viel schlechter als bei der bekannteren Baugröße. Besonders die Hersteller außerhalb der EU zeigen sich hier als Vorbilder. Da das Rollmaterial filigran ist, ist es allerdings auch sehr berührungsempfindlich.

Nenngröße N-Modul von TrainSetter Ulli Liedtke & Natascha Drews GbR

Wenn wenig Platz in der eigenen Wohnung für eine gut detailreiche Modellbahn-Anlage mit langen Paradestrecken in Spur H0 besteht, bietet Spur N eine perfekte Alternative. Interessanterweise produziert die Firma Fleischmann (auch als Modelleisenbahn Holding bekannt) einzig in N.

Modellbau-Größe TT (1:120) – die Table Top-Bahn

Mitte des letzten Jahrhunderts wurde die Normung in TT (für Table Top = Tischplatte) in den Vereinigten Staaten entwickelt. Zunächst wurde die „Spurweite“ sowohl in West- als auch in Ostdeutschland vertrieben, was sich durch den Konkurs der Firma Rokal im Westen allerdings verschob. So verbreitete sich die Modellbau-Norm in der DDR und stellt noch heute in den ostdeutschen Bundesländern eine bekanntere Nenngröße dar. Den Marktanteil von ungefähr sieben Prozent bedient als Großhersteller hauptsächlich Tillig. Des Weiteren sind noch große Hersteller wie Piko, Auhagen und weitere bekannt. Der größte Vorteil, den diese genormte Bauweise hat, ist ihr Mittel zwischen den beiden bekannten Größen H0 und N. Gut ausgestaltete Anlagen sind mit zwei bis drei Quadratmetern gut zu bewerkstelligen. Auch die Bekanntheit der Normung wächst in den letzten Jahren, sodass auch das Sortiment mehr Gestalt annimmt.

Nenngröße TT-Anlage mit Bauerhof und Dampflokomotive von Kai Pernau

Nenngröße Z (1:220) – ein Blickfang

In den 1970er erfand sich Märklin noch einmal selbst und führte die Nenngröße 1:220 ein. Mit einer Verbreitung von circa zehn Prozent ist diese Baugröße eine echte Nische. Als solche ist das Angebot stark eingeschränkt und abhängig von einem Großhersteller und wenigen Kleinserienherstellern. Dies bedingt klarerweise auch den Preis. Ihre geringe Größe ermöglicht ausgestaltete Anlagen auf kleinstem Raum. In Koffern, Regalen oder in Vitrinen überall sind kleine Kunstwerke wie Ostereier versteckbar. Einem vorbildgerechten Zugverkehr in den eigenen Vierwänden steht nichts mehr im Wege. Außer vielleicht die anpirschende Katze. Der Großteil dieser Modelleisenbahner stellt sich die kleinsten fahrbaren Züge in die Vitrine.

Nenngröße Z-Modul von TrainSetter Ulli Liedtke & Natascha Drews GbR

Auch Menschen mit großem Erfindergeist können sich in dieser Baugröße ihrer Leidenschaft voll widmen. Schon heute sind durch Ätz- und Gusstechnik unglaubliche Ergebnisse in der Detaillierung zu erkennen. Da wenig Material von großen Firmen vorhanden ist, sind auch der Selbstbau von Zubehör und Gebäuden ein großer Bestandteil dieses Maßstabes.

Klarerweise ist nicht nur die Detailgenauigkeit durch die Größe eingeschränkt, sondern aufgrund dessen auch ein reibungsloser Fahrbetrieb. Das rollende Material ist störanfälliger, da der Staub sich tiefer in die kleinen Vertiefungen der Modelle setzen kann. Auch eine Reinigung und Wartung ist deutlich erschwert.

Weitere Nenngrößen

Neben den bekanntesten Nenngrößen gibt es noch weitere. Da wären zu nennen die Nenngröße 00 (1:76), welche hauptsächlich in Großbritannien Anklang findet. Für Kinder gut geeignet und mit einem Platzbedarf von ungefähr sechs Quadratmeter für einfache Landschaften ist Spur 0 (1:43,5) eine Option. Auch die erste Nenngröße, Spur 1, soll nicht vergessen sein. Diese hat einen Maßstab von 1:32 und gliedert sich in eine Erlebnisbahn (Maxi-Serie) als auch in eine Profibahn (mit Namen Neue Spur 1) für den Spielspaß mit Kindern. Wer viel Platz im Garten hat, kann sich mit der Nenngröße G (1:22,5) austoben.

Eine individuelle Entscheidung eines Modellbahners

Alle Maßstäbe, die genannt wurden, haben ein Ziel. Sie wollen den Kunden herstellerunabhängig großen Spaß beim Erstellen seiner Werke liefern und Modellzüge und deren Zubehör passgerecht kombinierbar machen. Seit den Anfängen der maßstabsgetreuen Herstellung sind viele Normungen dazugekommen und internationalisiert, welche ihre Daseinsberechtigung und Vorteile haben.

So können große Aussteller die für sie ideale Größe (in den meisten Fällen Spur H0) nutzen, um mit größtmöglichem Effekt Miniaturwunder zu präsentieren. Der Mieter-Modellbahner kann auf eine kleinere Nenngröße wie N oder TT ausweichen, um ähnlich detailreiche Module zu kreieren. Speziell für technik-affine oder Sammler steht seit geraumer Zeit auch eine Kleinst-Nenngröße Z zum Tüfteln und Erfinden bereit. Damit auch Kinder und Gartenbauer nicht zu kurz kommen, stehen größere Baugrößen bereit.

Dank der großen Vielfalt kommt niemand zu kurz, der sich im Klaren ist, was er will und wo er hin möchte. So findet jeder, bei erlangtem Wissen, die für ihn gemachte Nenngröße oder er kombiniert und lebt die geballte Pracht des Modelleisenbahn-Bereichs in vollen Zügen aus.

Welcher Baugröße gehört deine Bauten an? Was ist für dich als Modelleisenbahner der größte Vorteil dieser und warum hast du die Nenngröße gewählt? Schreib es mir gern in die Kommentarleiste!

Bilder von: Kai Pernau und Patrick Nagel

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